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Arbeitspakete

Im Rahmen des Projekts sind folgende Schritte geplant:

In einer Übersichtstabelle (Synopse) werden auf Grundlage wissenschaftlicher Veröffentlichungen sowie bestehender Erfassungssysteme (z. B. Milchleistungsprüfung) Indikatoren für die einzelnen Nutztierarten sowie Begleitindikatoren (wie etwa zur Umsetzung von Tierschutzgesetzen) nach einem einheitlichen Schema beschrieben und ihre Eignung für ein nationales Monitoring bewertet.

Die Synopse umfasst tierbezogene, sowie management- und ressourcenbezogene Indikatoren. Tierbezogene Indikatoren können sich auf den äußerlichen Zustand der Tiere beziehen, wie zum Beispiel der Indikator "Sauberkeit der Tiere", oder auf gesundheitliche Parameter wie z. B. die Häufigkeit von bestimmten Erkrankungen. Auch verhaltensbezogene Parameter und emotionale Zustände der Tiere können mit tierbezogenen Indikatoren erfasst werden, allerdings ist hier die Erhebung oft sehr zeitintensiv und für einige Bereiche stehen keine geeigneten Indikatoren zur Verfügung. Management- und ressourcenbezogene Indikatoren bilden Einflussfaktoren auf das Tierwohl ab. Beispielsweise ist für die Ausführbarkeit des Normalverhaltens (Bewegungsverhalten, Erkundungsverhalten, Sozialverhalten etc.) ein bestimmtes Platzangebot sowie eine entsprechende Ausgestaltung der Haltungsverfahren notwendig, die sich durch entsprechende ressourcenbezogene Indikatoren erfassen lassen. Managementbezogene Indikatoren erfassen Faktoren der Betreuung durch den Menschen, z. B. die Verwendung von Anästhesie und Schmerzmitteln bei Eingriffen am Tier.

 

Ziel des Arbeitspakets 1:

  • Vorauswahl der für ein nationales Monitoring geeigneten Indikatoren anhand von wissenschaftlichen Kriterien durch das Projektteam.
  • Zusammenfassung der relevanten Informationen aus der Literatur zu Tierwohl-Indikatoren. Dabei werden terrestrische Nutztiere und Aquakultur sowie die Bereiche Haltung, Transport und Schlachtung berücksichtigt.

 

Ergebnisse des Arbeitspakets 1:

  • Um der interessierten Öffentlichkeit sowie Wissenschaftler*innen den Zugang zu den im Rahmen von NaTiMon aufbereiteten Informationen zu Tierwohl-Indikatoren zu ermöglichen, wurden die wichtigsten Tabellenfelder der Synopse (Beschreibung des Indikators, Erhebungsverfahren, Einheit und Bezug, Daten, Datengrundlage und Quellen) im Sommer 2021 als Web-Anwendung veröffentlicht.

Im Hinblick auf ein nationales Tierwohl-Monitoring werden von Stakeholdern unterschiedliche Meinungen vertreten und Interessen verfolgt. Im Rahmen einer Stakeholder-Analyse sollen diese Positionen identifiziert und im weiteren Projektverlauf berücksichtigt werden. Hierfür erfolgt einerseits eine Analyse der verfügbaren Informationen (beispielsweise von wissenschaftlichen Publikationen und weiteren Veröffentlichungen wie Pressemitteilungen) über die Positionen der Stakeholder zu einem Tierwohl-Monitoring. Zudem werden ca. 90 qualitative, leitfadengestützte Telefoninterviews durchgeführt.

Folgende Akteurs-Gruppen werden in die Stakeholder-Analyse einbezogen:

  • Vertreter*innen aus politischen Institutionen und Verwaltung
  • Berufsständische Vertretungen
  • Parteien
  • Religionsgemeinschaften
  • Gemeinnützige Organisationen

Die Interviews werden aufgezeichnet, transkribiert und anschließend in Anlehnung an die Qualitative Inhaltsanalyse (nach Mayring) ausgewertet.

 

Ziel des Arbeitspakets 2:

  • Identifikation von relevanten Stakeholdern für das Projekt
  • Durchführung und Auswertung der Stakeholder-Interviews

Im ersten Teil des Arbeitspaketes erfolgt eine Vorauswahl von Indikatoren auf Basis von wissenschaftlichen Kriterien. Relevante gesellschaftliche Gruppen werden über eine Stakeholderbefragung und -analyse im zweiten Teil des Arbeitspaketes in die Diskussion einbezogen. 

Im dritten Teil des Arbeitspaketes werden weitere Expert*innen über verschiedene Gesprächsformate und Befragungen beteiligt:

  • In Fachgesprächen zu Rind, Schwein und Geflügel sowie Transport und Schlachtung werden Tierwohlindikatoren, die bereits in wissenschaftlichen Projekten untersucht wurden oder die in Labelprogrammen zum Einsatz kommen, diskutiert und priorisiert.
  • In Regionalkonferenzen werden mögliche Indikatoren zur Erfassung des Tierwohl bei Forelle und Karpfen mit Aquakultur-Expert*innen diskutiert und identifiziert (aufgrund der COVID-19-Pandemie konnte eine Regionalkonferenz stattfinden, die anderen Regionalkonferenzen werden durch Telefoninterviews ersetzt).
     
  • Über eine breit angelegte Online-Befragung erfolgt die Priorisierung der auf Basis der vorangegangenen Arbeitsschritte durch das Projektteam selektierten Indikatoren.

 

Ziel des Arbeitspakets 3:

Für die Auswahl der Indikatoren werden Kriterien entwickelt, die es ermöglichen, die Indikatoren hinsichtlich verschiedener, für ein nationales Monitoring relevanter Aspekte zu bewerten.

  • Indikatoren-Vorschläge und -Auswahl für ein nationales Tierwohl-Monitoring mit einer Priorisierung der Indikatoren (z. B. „besonders geeignet“, „wichtig“, „alternativ zu verwenden“).

Die in den vorangegangenen Arbeitsschritten ausgewählten Indikatoren für ein nationales Tierwohl-Monitoring werden sich voraussichtlich auf verschiedene Datenquellen stützen.

  • Beispielsweise liegen einige der Tierwohlindikatoren bereits auf nationaler Ebene vor und werden schon heute regelmäßig mit vergleichbarer (einheitlicher) Methodik erfasst. Gegebenenfalls müssen für diese jedoch geeignete Auswertungsroutinen entwickelt werden, um z. B. bestimmte Angaben zu ermitteln (z. B.  HI-Tier-Daten, Antibiotika-Datenbank).
     
  • Zum Teil liegen einheitliche Daten bereits auf nationaler Ebene vor, werden aber bislang nicht für den Zweck eines Monitorings genutzt und sind ggf. auch in privater Hand (HI-Tier-Daten, Daten der Milchleistungsprüfung).
     
  • Einige Daten, bspw. aus Schlachttieruntersuchungen werden zwar deutschlandweit erfasst, jedoch nicht in jedem Fall einheitlich.
     
  • Zudem gibt es eine Reihe an Tierwohlindikatoren, die bislang nicht regelmäßig bundesweit bzw. in repräsentativen Erhebungen erhoben werden (z. B. Lahmheit bei Milchkühen, Daten für die Aquakultur in Deutschland).

Für diese Sachverhalte werden Lösungsansätze entwickelt, die zur Bereitstellung einer für ein Tierwohl-Monitoring nutzbaren Datenbasis führen sollen. Dabei kann es sich bspw. um Vorschläge handeln, die einen Zugang bzw. eine Verwendung von Daten für die Zwecke eines Monitorings regeln oder die Erhebungen von relevanten Daten auf Betrieben und Schlachthöfen vereinheitlichen.

Die methodischen Vorarbeiten zur Erfassung von Indikatoren, für die bislang keine Datenbasis zur Verfügung steht, ist ein weiterer Schwerpunkt dieses Arbeitsschritts. Dabei spielt die Kalkulation der benötigten Stichprobenumfänge auf Basis der Varianzen der Indikatorenausprägungen (soweit möglich können hier Angaben aus der Literatur verwendet werden) eine wichtige Rolle. Zudem werden die Kosten für die Erfassung und Aufbereitung der bislang nicht verfügbaren Daten abgeschätzt.

Die „Lösungsansätze“ für existierende Daten sowie die Erhebungsmethoden für noch zu erfassende Indikatoren werden für jede Nutztierart in den Bereichen Haltung, Transport und Schlachtung und für die Aquakultur in einem eigenen Methodenhandbuch zusammengefasst. Dabei wird auch darauf eingegangen, durch wen die Erhebungen ggf. durchgeführt werden könnten (geschulte Auditor*innen, amtliche Veterinäre, Berater*innen der Landwirtschaftskammern, Statistisches Bundesamt etc.). Dieser Arbeitsschritt erfolgt ebenfalls für die Indikatoren aus dem sozioökonomischen Bereich.

 

Ziel des Arbeitspakets 4:

  • Erstellung von “Methodenhandbüchern“ mit Erhebungsmethoden (einschließlich Einschätzungen zur Frequenz der Erhebung und zum technischen, materiellen und zeitlichen Aufwand), Hinweisen zur Indikatorenberechnung, Empfehlungen zum Datenzugang, Stichprobenumfängen und Kostenkalkulationen

Wenn Indikatoren für ein nationales Tierwohl-Monitoring als geeignet erachtet wurden, für diese jedoch noch keine Datenbasis vorliegt, wird deren Erhebung im Rahmen des entwickelten Konzeptes auf Praxisbetrieben erprobt.

Dazu werden eine kleinere Anzahl landwirtschaftlicher bzw. Aquakultur-Betriebe sowie Schlachthöfe und Kontrollstellen für Langstreckentransporte ausgewählt. Dort werden testweise die entsprechenden Indikatoren erfasst und der Erhebungsaufwand sowie mögliche Probleme der Erfassung dokumentiert.

Die Erhebungsbetriebe werden so ausgewählt, dass sie hinsichtlich der Größe ihres Tierbestands, der jeweiligen Haltungsverfahren sowie der Betriebsorganisation eine möglichst große Bandbreite umfassen.

Die Kosten der Indikatoren-Erhebung auf Betriebsebene werden dokumentiert und bei der Berechnung der Gesamtkosten für ein nationales Tierwohl-Monitoring mit berücksichtigt.

Erhebungen tierbezogener Indikatoren sind auf folgenden Betrieben vorgesehen:

  • 60 Aquakulturbetriebe (Erfassung der Indikatoren zu zwei verschiedenen Zeitpunkten)
  • 50 Schlachtbetriebe sowie Kontroll- und Sammelstellen
  • 20 Schweinehaltende Betriebe (Mastschweine, Sauenhaltung und Aufzuchtferkel)
  • 30 Geflügelbetriebe (Broiler, Legehennen, Mastputen)
  • 30 Rinderhaltende Betriebe (Mastrinder, Milchkühe, Aufzuchtkälber
  • 30 Ziegenhaltende Betriebe (Erfassung der Indikatoren zu zwei verschiedenen Zeitpunkten)
  • 30 Schafhaltende Betriebe (Erfassung der Indikatoren zu zwei verschiedenen Zeitpunkten)

Zudem werden auf 70 Betrieben Interviews zur Erfassung ressourcen- und managementbezogener Indikatoren durch das Statistische Bundesamt durchgeführt.

 

Ziel des Arbeitspakets 5:

  • Erprobung der Erhebung von Indikatoren, für die bislang keine Daten vorliegen, in Haltung, Transport und Schlachtung einschließlich der Erfassung der Erhebungskosten.

Daten, die für die Berechnung der Tierwohl-Indikatoren notwendig sind, liegen zum Teil in Datenbanken vor, die zu anderen Zwecken, wie z. B. für eine Qualitätskontrolle oder die Rückverfolgbarkeit von Tieren („from fork to farm“) etabliert wurden. Daher fehlen vielfach die notwendigen Schnittstellen, um die benötigten Daten in geeigneter Form auszulesen.

Die in den verschiedenen Datenbanken wie beispielsweise HI-Tier-Datenbank, TRACES, Antibiotika-Datenbank, Schlachttier- und Fleischuntersuchung oder weiteren Datenbanken vorliegenden Informationen müssen aufbereitet und für die Daten Plausibilitätsprüfungen durchgeführt werden. Anschließend werden Auswertungsroutinen für die Berechnung der als geeignet identifizierten Tierwohl-Indikatoren erstellt. Die Kosten, die mit den verschiedenen Arbeitsschritten verbunden sind, werden erfasst und für die Abschätzung der Gesamtkosten des Tierwohl-Monitorings verwendet.

Auch die bei der explorativen Erhebung auf Praxisbetrieben gewonnenen Daten werden aufbereitet und hinsichtlich ihrer Eignung für die Erhebung im Rahmen eines Nationalen Tierwohl-Monitorings bewertet.

 

Ziel des Arbeitspakets 6:

  • Die Nutzung der bereits vorliegenden sowie in der explorativen Erhebung gewonnenen Daten für die zukünftige Umsetzung eines Tierwohl-Monitorings vorzubereiten.

Für jede der Berichtsvarianten erfolgt eine Bewertung der Kosten sowie des „Nutzens“ für ein Tierwohl-Monitoring. Der Nutzen ist hierbei nicht monetär zu verstehen, sondern bezieht sich auf die Reichweite der Aussagen und die Aussagekraft, die anhand der Berichtsinhalte erreicht werden können. Dabei wird berücksichtigt, ob das jeweilige Berichtsmodell Aussagen zu allen Tierarten und Nutzungsrichtungen erlaubt, ob die Bereiche Gesundheit, Verhalten und Emotionen abgedeckt werden und ob Haltung, Transport und Schlachtung einbezogen sind.

Für den Prototyp I ist die Veröffentlichung eines Tierwohl-Monitoring-Berichts in einer Print- sowie einer Online-Version vorgesehen. Die Darstellung und Interpretation der Ergebnisse der Indikatoren wird dabei sowohl wissenschaftlich fundiert als auch in einer für den Laien verständlichen Form erfolgen.

 

Ziel des Arbeitpakets 7:

  • Beschreibung von drei Varianten eines Tierwohl-Monitorings (von rudimentär bis umfassend) und Abschätzung von Kosten und Aussagekraft sowie Veröffentlichung eines Prototypen für einen Tierwohl-Monitoring Bericht

Die zukünftige Umsetzung eines nationalen Tierwohl-Monitorings wird nicht im Rahmen von Forschungsprojekten erfolgen. Sofern ein solches Monitoring regelmäßig durchgeführt werden soll, müssen geeignete institutionelle Voraussetzungen geschaffen und u. a. folgende Fragen beantwortet werden: 

  • Welche Rahmenbedingungen müssen vorliegen, damit geeignete, bereits vorhandene Daten für den Zweck eines Monitorings des Tierwohls genutzt werden können?
  • Wie und durch wen können fehlende Daten erhoben werden?
  • Welche Stichprobenauswahl und -größe ist für ein nationales Monitoring je nach Tierart/Produktionsrichtung notwendig?
  • Welche Kosten entstehen durch ein nationales Tierwohl-Monitoring?

Im Rahmen des Projektes sollen diese Fragen beantwortet und in Form von Empfehlungen an die Politik veröffentlicht werden.

 

Ziel des Arbeitspaket 8:

  • Ausarbeitung von Empfehlungen, die die Rahmenbedingungen für ein zukünftiges kontinuierliches Tierwohl-Monitoring setzen.
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