Hintergrund

Das Tierwohl in der Nutztierhaltung ist ein kontrovers diskutiertes Thema. In Umfragen äußern Verbraucher*innen, dass sie dem Thema Tierwohl eine große Bedeutung zumessen und betonen, dass ihnen ein verantwortungsvoller Umgang mit den Nutztieren wichtig sei. Gleichzeitig ist die Informationslage in diesem Bereich dürftig.

Daten, aus denen sich Aussagen zu einzelnen Aspekten des Tierwohls ableiten lassen, werden zwar bereits regelmäßig erhoben (z. B. Schlachttier- und Fleischuntersuchung [SFU], Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere [HIT], Milchleistungsprüfung [MLP]), können bisher aber nicht systematisch und im Zusammenhang ausgewertet werden. Gründe hierfür sind, dass die Daten nicht standardisiert erfasst werden und dadurch nicht vergleichbar sind (z. B. SFU), nur bestimmte Produktionsrichtungen und Tierarten erfasst werden (z. B. MLP) oder keine Rechtsgrundlage für eine tierwohlbezogene Auswertung vorliegt (z. B. HIT).

Ein weiteres Problem ist, dass die meisten der genannten Datenquellen bestenfalls Aussagen über einzelne Gesundheitsaspekte (z. B. Euterentzündungen bei Milchkühen) zulassen. Für andere relevante Gesundheitsbereiche, für das Tierverhalten und Emotionen sowie für Fische in Aquakultur existiert bislang keine nationale Indikatorenerfassung. Generell besteht zudem noch kein Konsens über die hierfür geeigneten Indikatoren.

Aussagen zu Status quo und Entwicklungen des Tierwohls von Schweinen, Rindern, Geflügel und Fischen in Aquakulturen können daher bislang lediglich für Teilbereiche bzw. auf der Basis nicht verallgemeinerbarer wissenschaftlicher Untersuchungen getroffen werden.

Erklärtes Ziel der deutschen Bundesregierung ist eine Verbesserung des Tierwohls von Nutztieren. Für eine sachliche Bewertung ist laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ein geeignetes Messsystem notwendig (vgl. Nutztierstrategie des BMEL, 2019).

Ein solches nationales Tierwohl-Monitoring wurde bereits 2005 in einem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik (WBAE), der das Bundeslandwirtschaftsministerium berät, gefordert und 2015 in einem weiteren Gutachten dieses Gremiums erneut aufgegriffen (vgl. WBAE-Gutachten 'Zukunft der Nutztierhaltung', 2005; WBAE-Gutachten ‚Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung‘, 2015). Seit 2017 ist es Bestandteil der Nutztierstrategie des BMEL.

Das Forschungsvorhaben „Nationales Tierwohl-Monitoring“ hat die Aufgabe, die Voraussetzungen für die Umsetzung eines solchen Monitorings zu erarbeiten.